Feldhamster vom Aussterben bedroht
Zuletzt aktualisiert: 8. Juni 2021

Feldhamster wurden vor einiger Zeit noch als Plage betrachtet, da sie Tunnel unter den Feldern bauten und Schäden an der Oberfläche der Felder zurückließen. Zudem ernähren sie sich ebenfalls von der Ernte der Bauern. Seitdem ist die Population, unter anderem durch aktives Mitwirkendes Menschen, stark zurückgegangen. Dies könnte jedoch möglicherweise voreilig und unbegründet geschehen sein.

Im folgenden Artikel werden wir uns zum einen die Hamster-Vorkommen in Deutschland und weltweit anschauen und die Gründe für den Populationsrückgang erläutern. Dadurch kann schließlich abgeschätzt werden, ob der Feldhamster tatsächlich vom Aussterben bedroht ist. Zudem werden wir allgemeine Fragen beleuchten, wie das Aussterben von Tieren im Allgemeinen und warum dem Erhalt der Artenvielfalt besondere Bedeutung zukommen sollte.




Das Wichtigste in Kürze

  • Der Feldhamster ist ein Nagetier und die einzige Art der Hamster in Europa. Er hat etwa die Größe eines Meerschweinchens und ist damit doppelt so groß wie seine domestizierten Verwandten wie beispielsweise der Goldhamster.
  • Der Feldhamster hat seit den 1950er Jahren einen massiven Populationsrückgang erlebt. Die Anzahl der Tiere hat sich um 99% verringert, wodurch der Feldhamster offiziell auf der Roten Liste steht. Die Rote Liste besteht aus allen gefährdeten oder gar ausgestorbenen Arten.
  • Der Feldhamster hat einen lange ungeahnten Nutzen. Durch das Graben von großen Tunnelsystemen, vermischt er die Erde. Dieser Vorgang der “Bioturbation” kann maßgeblich zur Fruchtbarkeit der Böden beitragen.

Feldhamster vom Aussterben bedroht: Was du wissen solltest

In diesem Teil werden wir dir einen Überblick über die Feldhamster- Population und andere wissenswerte Informationen über das Thema vermitteln.

Was ist ein Feldhamster?

Ein Feldhamster, oder Cricetus cricetus, ist die einzige in Europa lebende Art des Hamsters. Er ist ein Nagetier, dass sich hauptsächlich von Feldfrüchten, Gräsern, Kräutern und Insekten ernährt. Er kann sich so beispielsweise auch von Wildvogelfutter ernähren, da dies meist aus Körnern besteht.

Er kann bis zu 4 Jahre alt werden und wiegt bei der Geburt um die 5 Gramm. Von diesem Zeitpunkt an nimmt er das 120-fache seines Geburtsgewichts zu und erreicht ein Gewicht von etwa 600 Gramm. Damit ist er von der Größe her mit einem Meerschweinchen vergleichbar, also etwa doppelt so groß wie der domestizierte Goldhamster, der als Haustier in Hamster Terrarien gehalten werden kann.

Seine Fellfarbe mischt sich aus den Farben Schwarz, Grau, Braun und Weiß. Nur in Thüringen gibt es eine besondere, komplett schwarze, Feldhamsterart. Er verfügt über dehnbare Backen, mit denen er Körner und andere Nahrungsmittel transportieren und einlagern kann. Diese dienen dann  seiner Ernährung im Winterschlaf zwischen Oktober und April(1).

Charakteristikum Ausprägung des Feldhamsters
Tierart Nagetier
Größe 35cm
Farbe Mischung aus Schwarz, Braun, Grau und Weiß
Gewicht 200- 600 Gramm

Ist der Feldhamster vom Aussterben bedroht?

Der Feldhamster ist leider, laut der “Roten Liste” der Weltnaturschutzunion (IUCN), vom Aussterben bedroht. Er wurde so vom IUCN als „critically endangered” eingestuft. Zudem geht die Population tendenziell weiter zurück, trotz verschiedener Schutzmaßnahmen.

Die Population von Feldhamstern ist um 99% zurückgegangen.

Es wurde sich bislang massiv verschätzt, wenn es um die Population der Feldhamster ging.

Aufgrund diverser Einflüsse ist diese wohl seit den 1950er Jahren um etwa 99% zurückgegangen.

Dies überschreitet klar die Grenze zu “vom Aussterben bedroht” und nähert sich gefährlich dem “ausgestorben”(2, 3).

Wo sind Feldhamster vom Aussterben bedroht?

Die Art ist zudem nicht nur in Europa vom Aussterben bedroht. Die dramatischen Rückgänge der Hamsterpopulation zieht sich wohl durch ganz Europa bis nach Sibirien. Das entspricht dem gesamten Lebensraum des Feldhamsters.

Feldhamster vom Aussterben bedroht

Der Lebensraum von Feldhamstern kann grundsätzlich überall da sein, wo Felder für ihren Schutz und ihre Ernährung sorgen können. Doch durch immer schnellere Bewirtschaftung wird ihnen dieser genommen. (Bildquelle: Jie Wang / Unsplash)

Dieser ist somit in Österreich, Weißrussland, Bulgarien, Tschechien, Frankreich, Deutschland, Ungarn, Kasachstan, Moldawien, der Niederlande, Polen, Rumänien, Russland, Serbien, Slowakei, der Schweiz und der Ukraine vom Aussterben bedroht(2, 3).

Wie viele Feldhamster gibt es noch?

Aktuell lässt sich die Population auf etwa 10.000 bis 50.000 Feldhamster in Deutschland schätzen. In einigen Bundesländern ist er sogar schon ausgestorben. Wie bereits angesprochen ist die Population um rund 99% weniger geworden. Dies entspricht einem Rückgang von etwa 1.000.000 auf 10.0000 Tiere in nur 50- 70 Jahren. Allein in Deutschland.

Zur Weltweiten Population kann der IUCN keine Aussagen treffen, da auch die Ausbreitung nicht vollkommen klar ist. Es lässt sich jedoch ein systematischer Zusammenhang zwischen Landwirtschaft und dem Populationsrückgang von Feldhamstern treffen. Da das Vorrücken der Landwirtschaft länderübergreifend stattfindet, lässt sich so abschätzen, dass auch im gesamten Ausbreitungsgebiet die Anzahl der Feldhamster in gleichem Maße zurückgegangen ist(4).

Warum sind die Feldhamster vom Aussterben bedroht?

Zu den natürlichen Feinden des Feldhamsters gehören Raubvögel, Marder und Hermeline. Gegen diese hat der Feldhamster auch eine gute Überlebensstrategie. Zum einen ist er in den hohen Feldern gut vor den Blicken seiner Feinde geschützt, zum anderen vermehrte sich der Feldhamster früher bis zu 3x im Sommer mit einem Wurf bis zu 10 Junge. Zudem sind Feldhamster nach einem Jahr geschlechtsreif.

Der Feldhamster hat eine lange Liste natürlicher Feinde, welche der Mensch jedoch klar anführt.

Diese Strategie hilft ihm jedoch leider nicht gegen seinen größten Feind: Die Landwirtschaft. Durch immer größere, aber auch schnellere Maschinen, Straßen- und Hausbau ist der Feldhamster immer weniger geschützt, kann weniger Nahrung sammeln und sich weniger oft paaren. Zudem kommt hinzu, dass der Feldhamster vor wenigen Jahrzehnten auch noch als große Plage galt und systematisch vergiftet und vertrieben wurde(5).

Seit wann sind die Feldhamster vom Aussterben bedroht?

Ab wann genau die Feldhamster vom Aussterben bedroht waren, kann aufgrund anfänglicher Fehlschätzungen nicht gesagt werden. Jedoch ist die Population, wie bereits erwähnt, schon seit den 1950er Jahren um 99% zurückgegangen.

Es wurden bereits einige Maßnahmen getroffen, die die Hamster beschützen sollten, wie dass Streifen an Feldern erst Zeitverzögert geerntet werden. Dies hat den Rückgang auch verlangsamt, kann ihn jedoch nicht aufhalten. Es wird damit gerechnet, dass der Feldhamster innerhalb der nächsten 30 Jahre komplett aussterben könnte, wenn nicht drastischere Maßnahmen getroffen werden sollten(2).

Was gibt es noch Wissenswertes über Feldhamster und ihr Weiterbestehen?

Neben der Feldhamster- Population im Allgemeinen, werden wir im Folgenden einige zusammenhängende Themen näher beleuchten:

  • Der Nutzen von Feldhamstern
  • Die größten Feinde des Feldhamsters
  • Schutzmaßnahmen für Feldhamster
  • Ab wann ist eine Tierart vom Aussterben bedroht ist

Ab wann eine Tierart im Allgemeinen und im speziellen der Feldhamster vom Aussterben bedroht ist, sowie der Nutzen und die Schutzmaßnahmen für Feldhamster, werden wir nun näher ausführen.

Die größten Feinde des Feldhamsters

Wie bereits angesprochen, hat der Feldhamster einige natürliche Feinde. Dazu zählt der Fuchs, Wiesel, Marder, die Hauskatze, und diverse Greifvögel wie der Mäusebussard, Turmfalke und Rotmilan aber auch andere Raubtiere und -vögel, die die geeignete Größe haben.

Feldhamster vom Aussterben bedroht

Der Mensch trägt durch immer schnellere, effizientere und häufigere Nutzung von Feldern zur Vernichtung der Artenvielfalt bei. Auch Monokulturen erschweren es Tieren erheblich einen passenden Lebensraum zu finden. (Bildquelle: James Baltz / Unsplash)

Für den größten Schwund der Feldhamster ist jedoch, wie in vielen Fällen, der Mensch verantwortlich. Zum einen durch die systematische Vertreibung, Vernichtung und Vergiftung von Feldhamstern durch den Menschen, da diese eine Zeit lang als Plage angesehen wurden. Zum anderen durch die Moderne Landwirtschaft.

Dabei wird beispielsweiße mit immer größeren Maschinen, immer schneller das Feld geerntet und dem Feldhamster so in nur wenigen Stunden der gesamte Lebensraum genommen. Zudem werden Pestizide und andere Giftstoffe auf Feldern verteilt, sodass auch daran Feldhamster sterben.

Letztendlich kann auch die Lichtverschmutzung zum Aussterben beitragen, da Feldhamster nachtaktiv sind und Dunkelheit brauchen. Die zuletzt genannten Faktoren tragen zudem dazu bei, dass Feldhamster im Schnitt weniger oft und weniger viel Junge bekommen, die den Bestand der Art sichern könnten(6).

Feind des Feldhamsters Rang
Mensch 1
Marder/ Wiesel 2
Fuchs/ Greifvögel 3
Katzen/ Hunde 4

Ab wann eine Tierart vom Aussterben bedroht ist

Eine Tierart ist laut IUCN dann vom Aussterben bedroht (critically endangered), wenn eine Population innerhalb einer Zeitspanne von 10 Jahren um mindestens 90% zurückgegangen sind. Wenn das der Fall ist, ist die Überlebenschance meist gering oder der Lebensraum, in dem die Tiere leben können auf ein Minimum beschränkt.

Es gibt jedoch noch weitere Indikatoren, um die Population eines Tieres zu beschreiben. Als möglicherweise ausgestorben (possibly extinct) gilt eine Art, wenn ein Tier durch eine zweiwöchige Expedition und Suche nach Exemplaren erfolglos bleibt. Als ausgestorben (Extinct) gilt es dann, wenn noch mehrere weitere Suchen ebenfalls erfolglos bleiben. Dies ist der Fall bei dem chinesischen Flussdelfin, dem Tasmanischen Wolf und dem Bali- Tiger(7).

Schutzmaßnahmen für Feldhamster

Da der Feldhamster nicht nur gefährdet, sondern bereits in vielen Bereichen ausgestorben ist, gibt es hauptsächlich zwei Schutzmaßnahmen, um das Überleben des Feldhamsters zu sichern. Zum einen wird durch das Projekt “Feldhamsterland” der Feldhamster auf Feldern erhalten.

Dabei werden in Zusammenarbeit mit Bauern Schutzmaßnahmen auf Feldern erstellt. Beispielsweiße einige Streifen mit Wildpflanzen, die nicht geerntet werden oder eine Zeitverzögerte Ernte.

Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums finanziert. Das Projekt ist Teil des Bundesprogramms Biologische Vielfalt von 2018 bis 2023(8). Ein anderes Projekt ist, dass Felder oder Flächen, die einen geeigneten Lebensraum darstellen, an denen Feldhamster jedoch ausgestorben ist, wieder mit Feldhamstern bevölkert werden.

Dies geschieht durch Umsiedlung und Aussetzung von Populationen. Teilweiße werden Feldhamster zu diesem Zweck gezüchtet und in Hamsterkäfigen oder Zoos großgezogen(9). Zu diesem Zweck werden Transportboxen verwendet, die geeignet sind, kleine Nagetiere sicher zu transportieren.

Der Nutzen von Feldhamstern

Der Nutzen von Feldhamstern ist auf den ersten Blick nicht gleich ersichtlich. Aus diesem Grund wurden sie auch gejagt und vertrieben, da sie Schäden auf den Oberflächen der Felder hinterlassen. Die Tiere bauen nämlich unter den Feldern riesige Tunnelsysteme, wie kein anderes Tier.

Doch gerade darin liegt der Nutzen der Feldhamster. Beim Tunnelbau vermischt er die Erde großflächig unter den Feldern, wodurch er großflächig zur Fruchtbarkeit der Böden beiträgt. Dieser Prozess der “Bioturbation” lässt sich jedoch heutzutage nicht mehr offensichtlich beobachten, da die Population zu klein geworden ist(10).

Fazit

Zum Abschluss lässt sich sagen, dass der Feldhamster bei einem Populationsrückgang von 99% definitiv vom Aussterben bedroht ist und drastische Maßnahmen getroffen werden müssen.

Gerade weil der Mensch durch immer intensivere Landwirtschaft immer mehr dazu beiträgt, dass sich die Population verringert. Dies geschieht nicht nur durch die aktive Vernichtung, sondern ebenfalls durch die Vernichtung des Lebensraums und der Schutzmaßnahem, um sich vor Raubtieren und den natürlichen Feinden des Feldhamsters zu verstecken.

Auch lässt sich nicht bestreiten, dass sich der Feldhamster als durchaus nützlich erweisen kann. So sollte es das Ziel sein, dass der Mensch im Namen der Artenvielfalt und des Naturschutzes lernt, mit dem Feldhamster aber auch mit allen anderen Tierarten Seite an Seite zu leben. Nur so kann ein produktives aber auch friedliches Umfeld für Tier und Mensch geschaffen werden.

Bildquelle: Stefan Rotter / 123rf

Einzelnachweise (10)

1. Prof. Dr. Klaus Hackländer/Deutsche Wildtierstiftung (Stand: 29.04.21); Feldhamster Architekt unterm Acker
Quelle

2. Dr. Eckart Gaddum (2020), Gesamtes Verbreitungsgebiet- Feldhamster vom Aussterben bedroht.
Quelle

3. Banaszek, A., Bogomolov, P., Feoktistova, N., La Haye, M., Monecke, S., Reiners, T. E., Rusin, M., Surov, A., Weinhold, U. & Ziomek, J. (2020); Cricetus cricetus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T5529A111875852.
Quelle

4. Redaktion NABU (Stand: 29.04.21); Laut werden für den Feldhamster!
Quelle

5. Jörg Nitsch (Stand: 29.04.21); Sein Name ist Programm: Der Feldhamster
Quelle

6. Prof. Dr. Klaus Hackländer (Stand: 29.04.21); Gefährdung
Quelle

7. Dr. Markus C. Schulte von Drach (2010); Wie kommt man auf die rote Liste?
Quelle

8. Prof. Dr. Klaus Hackländer (Stand: 29.04.21); Das Projekt Feldhamsterland
Quelle

9. Prof. Dr. Klaus Hackländer (Stand: 29.04.21); Feldhamster- Schutz auf dem Acker
Quelle

10. Karin Jäger (2018); Biologische Vielfalt- Wozu gibt die Regierung Millionen für Feldhamster aus?
Quelle

Warum kannst du mir vertrauen?

Informationsartikel
Prof. Dr. Klaus Hackländer/Deutsche Wildtierstiftung (Stand: 29.04.21); Feldhamster Architekt unterm Acker
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Artikel
Dr. Eckart Gaddum (2020), Gesamtes Verbreitungsgebiet- Feldhamster vom Aussterben bedroht.
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Eintrag in der Roten Liste
Banaszek, A., Bogomolov, P., Feoktistova, N., La Haye, M., Monecke, S., Reiners, T. E., Rusin, M., Surov, A., Weinhold, U. & Ziomek, J. (2020); Cricetus cricetus. The IUCN Red List of Threatened Species 2020: e.T5529A111875852.
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Artikel
Redaktion NABU (Stand: 29.04.21); Laut werden für den Feldhamster!
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Artikel
Jörg Nitsch (Stand: 29.04.21); Sein Name ist Programm: Der Feldhamster
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Artikel
Prof. Dr. Klaus Hackländer (Stand: 29.04.21); Gefährdung
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Artikel
Dr. Markus C. Schulte von Drach (2010); Wie kommt man auf die rote Liste?
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Artikel
Prof. Dr. Klaus Hackländer (Stand: 29.04.21); Das Projekt Feldhamsterland
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Artikel
Prof. Dr. Klaus Hackländer (Stand: 29.04.21); Feldhamster- Schutz auf dem Acker
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Karin Jäger (2018); Biologische Vielfalt- Wozu gibt die Regierung Millionen für Feldhamster aus?
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