Wild animals
Zuletzt aktualisiert: 10. Juni 2021

Raus in die Natur zu gehen bedeutet für viele Menschen Erholung vom stressigen Alltag. Im eignen Garten oder bei Spaziergängen im Wald allein oder mit dem eigenen Hund an der Seite finden viele Entspannung.

Im Frühjahr bei Sonnenschein und Vogelgezwitscher ist die erblühende und ergrünende Natur besonders schön. Doch gerade in dieser Zeit gilt es, besonders Rücksichtsvoll zu sein.

Die Natur ist nicht nur ein Erholungsort für uns, sondern auch der Lebensraum für viele Vögel und ansässige Wildtiere. Im Frühjahr befinden diese sich in der Brut und Setzzeit und bedürfen besonderem Schutz, um ihren Nachwuchs aufziehen zu können. Welche Regelungen in dieser Zeit gelten und was du konkret tun kannst, um die Wildtiere zu schützen, erfährst du in diesem Artikel.




Das Wichtigste in Kürze

  • Die Brut und Setzzeit ist der Zeitraum, in der Vögel brüten und Wildtiere ihre Jungen zur Welt bringen. Sie schließt auch die Aufzucht des Nachwuchses durch die Elterntiere bis zu dessen Selbstständigkeit ein.
  • Beginn und Ende der Brut und Setzzeit und die einzuhaltenden Vorschriften sind in Deutschland nicht einheitlich geregelt. Die maximale Ausdehnung der Brut und Setzzeit geht vom 01. März bis zum 15. Juli. In manchen Regionen beginnt sie jedoch erst im April oder endet schon im Juni.
  • Um die Wildtiere zu schützen und Brut und Aufzucht nicht zu stören gelten verschiedene Vorschriften. Der radikale Rückschnitt von Gehölz ist unter anderem ebenso verboten wie das Jagen der zur Aufzucht notwendigen Elterntiere. Hunde sollten zu dieser Zeit an der Leine geführt werden, verpflichtend ist dies jedoch nicht in allen Regionen.

Hintergründe: Was ist die Brut und Setzzeit?

Der Begriff Brut und Setzzeit oder auch Schonzeit beschreibt den Zeitraum, in dem Vögel brüten und Wildtiere wie zum Beispiel Rehe, Hasen, Füchse und Wildschweine Junge bekommen. Die Brut und Setzzeit dauert an, bis die Aufzucht des Nachwuchses zur Selbstständigkeit abgeschlossen ist.

bei der Mutter trinkendes Rehkitz

Rehkitze sind noch nicht so sicher auf den Beinen und auch nicht schnell genug, um einem wildernden Hund zu entkommen. Sie werden oft von der Ricke versteckt zurückgelassen und sind dank ihrer Fellzeichnung hervorragend vor dem menschlichen Auge getarnt. Einer Hundenase entgehen sie damit  jedoch nicht. (Bildquelle: RitaE / Pixabay)

Zu dieser Zeit gelten besondere Vorschriften, um Vögel und andere heimische Wildtiere zu schützen und eine ungestörte Aufzucht der Jungtiere zu gewährleisten.

In der Brut und Setzzeit sind diese besonders angreifbar, da trächtige Tiere nicht so schnell flüchten können und brütende Vögel ihre Nester nicht verlassen. Auch Jungtieren gelingt in der Regel keine schnelle Flucht.

Gibt es eine bundesweite Regelung zur Brut und Setzzeit?

Die Brut und Setzzeit gilt deutschlandweit, ein einheitliches Gesetz gibt es dazu jedoch nicht. Wann die Brut und Setzzeit beginnt, welche Vorschriften und Ausnahmen gelten und wie Missachtungen geahndet werden, regeln die Länder und Kommunen selbst. Üblicherweise findet man die Ausführungen in den jeweiligen Forst- und Landschaftsordnungen oder Hundegesetzen.

Wann beginnt und endet die Brut und Setzzeit?

Einen einheitlichen festgelegten Zeitraum für die gesamte Bundesrepublik gibt es nicht. Die Brut und Setzzeit geht vielerorts vom 01. März oder 01. April bis zum 15. Juli, der genaue Beginn wird von den einzelnen Ländern oder Gemeinden bestimmt.

Welche Vorschriften gelten während der Brut und Setzzeit?

Zum Schutz der Wildtiere gibt es einige Einschränkungen, die während der Brut und Setzzeit einzuhalten sind. Wie genau die Verordnungen ausfallen, unterscheidet sich je nach Region.

Leinenpflicht

Um die wild lebenden Tiere zu schützen, sollten Hunde in der Brut und Setzzeit an der Leine geführt werden. Dies gilt sowohl in Wald und Flur, als auch auf allen anderen freien Grünflächen wie beispielsweise Parks oder Wiesen. Grundsätzlich gilt das Leinengebot überall dort, wo sich Wildtiere aufhalten könnten.  Innerorts werden so vor allem brütende Vögel geschützt.

Streunende oder wildernde Hunde in der Natur stellen eine große Gefahr für trächtige Tiere und Jungtiere dar, da diese nicht so schnell fliehen können. Das Aufschrecken von am Boden brütenden Vögeln kann auch zum Erkalten der Eier führen, wenn diese das Nest verlassen müssen.

Nicht alle Bundesländer verpflichten zum Leinenzwang während der Brut und Setzzeit, in anderen hingegen sind Hunde im Wald ganzjährig an der Leine zu führen. Die nachfolgende Tabelle zeigt, wie die Leinenpflicht in den einzelnen Bundesländern geregelt ist. Ausnahmen zur Leinenpflicht gelten für Polizei- und Rettungshunde, sowie Hunde, die beim Zoll zum Einsatz kommen (1, 2).

Bundesland Leinenpflicht
Baden-Württemberg keine, Hund muss aber zu jeder Zeit abrufbar sein
Bayern keine
Berlin ganzjährig
Brandenburg ganzjährig, Leine maximal 2 m
Bremen 15. März bis 15. Juli
Hamburg ganzjährig
Hessen 01. März bis 30. Juni, (ggf. Abweichungen in den Gemeinden)
Mecklenburg-Vorpommern ganzjährig
Niedersachsen 01. April bis 15. Juli
Nordrhein-Westfalen keine, (ggf. Abweichungen in den Gemeinden)
Rheinland-Pfalz keine, (ggf. Abweichungen in den Gemeinden)
Saarland 01. März bis 30.Juni
Sachsen keine, (ggf. Abweichungen in den Gemeinden)
Sachsen-Anhalt 01.März bis 15. Juli
Schleswig-Holstein ganzjährig
Thüringen ganzjährig

Auch in Bundesländer, in denen keine allgemeine Leinenpflicht herrscht, können in einzelnen Gemeinden und Städte andere Regelungen gelten. Wer sicher gehen möchte, informiert sich am besten über die Verordnungen in seiner Umgebung direkt bei den Gemeinden.

Manche Regionen schreiben sogar auch die maximale Länge der zulässigen Leine vor. Schleppleinen sind dann beispielsweise nicht geeignet, da der Hund aufgrund des großen Radius trotz Leine Wildtiere aufspüren kann.

Verantwortungsbewusste Hundehalter sollten ihren Vierbeiner jedoch auch ohne Verpflichtung an die Leine nehmen. Auch ein gut erzogener Hund kann in Ausnahmefällen dem Jagdtrieb verfallen. Damit dein Hund trotzdem die Möglichkeit hat, sich artgerecht und auslastend zu bewegen, gibt es teilweise ausgewiesene Plätze, an denen der Hund gefahrlos frei laufen darf.

Verbot von Baum- und Heckenschnitt

Bäume, Hecken und anderes Gehölz bieten Tieren aller Art Unterschlupf und Brut- und Nistplätze. Das Entfernen oder radikale Zurückschneiden ist aus diesem Grund in der Zeit vom 01. März bis zum 30. September untersagt.

Es ist verboten Bäume, die außerhalb des Waldes, von Kurzumtriebsplantagen oder gärtnerisch genutzten Grundflächen stehen, Hecken, lebende Zäune, Gebüsche und andere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September abzuschneiden, auf den Stock zu setzen oder zu beseitigen; zulässig sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses der Pflanzen oder zur Gesunderhaltung von Bäumen. BNatSchG §39, Absatz 5

Diese Vorschrift gilt bundesweit und ist gesetzlich im Bundesnaturschutzgesetz §39 festgeschrieben (3). Dies gilt auch für Privatgrundstücke. Der erlaubte schonende Form- und Pflegeschnitt, sollte auch nur nach vorheriger Kontrolle und unter Rücksichtnahme auf eventuell brütende Vögel  vorgenommen werden.

Vorsicht bei Feldarbeiten

Auch Landwirte sind dazu angehalten, während der Brut und Setzzeit besonders umsichtig zu arbeiten, um Jungtiere vor dem Mähtod zu retten. Abgelegte Rehkitze, junge Hasen oder am Boden brütende Vögel fliehen nicht zwingend vor den großen Erntemaschinen.

Deshalb ist es notwendig, die Wiesen und Felder zuvor abzusuchen und die Wildtiere in Zusammenarbeit mit Jägern und Revierpächtern durch optische, akustische oder olfaktorische Reize zu verscheuchen (4).

Jagdverbot

Das Bundesjagdgesetz regelt, welche Wildarten zu welchen Zeiten geschossen werden dürfen. Während der Brut und Setzzeit gilt laut §22 ein Jagdverbot für Elterntiere, die zur Aufzucht des Nachwuchses benötigt werden. Die Jagd auf ein Elterntier während der Brut und Setzzeit gilt als Straftat (5).

Was kann ich tun, um Wildtiere in der Brut und Setzzeit zu schützen?

Egal ob als Spaziergänger, Radfahrer oder Reiter, in jedem Fall solltest du im Wald auf den Wegen bleiben. Falls du Hundebesitzer bist, nimm deinen Vierbeiner bei Spaziergängen in der Natur auf jeden Fall an die Leine, auch wenn dein Hund gut erzogen ist.

Mehr Komfort für deinen Hund bietet dabei ein Hundegeschirr, das den Druck besser verteilt als ein Halsband. Ein Wildschwein, das seine Jungen verteidigt kann deinem Hund im Übrigen auch gefährlich werden. Auf dem eigenen Grundstück darf dein Hund selbstverständlich frei laufen.

Wenn du in der Natur ein Jungtier entdeckst, halte Abstand und fasse es auf keinen Fall an. Berührungen von Fremden können  dazu führen, dass die Muttertiere ihre Jungen verstoßen. Ist ein Tier verletzt, meldest du das beim zuständigen Jagdpächter.

Im Gras lauernde schwarze Katze

Viele Hauskatzen machen Jagd auf Vögel und plündern Nester und Brutkästen. Jungtiere, die noch nicht richtig fliegen können, haben oft keine Chance zu entkommen. Auch ein Katzenglöckchen schützt sie nicht. (Bildquelle: RoyBuri / Pixabay)

Auch Hauskatzen stellen übrigens vor allem für Vögel eine extrem große Gefahr dar. Falls du eine Katze besitzt, lasse diese in der Brut und Setzzeit nachts möglichst im Haus und verschließe die Katzenklappe. Am besten wäre es, den Freilauf ganz zu beschränken.

Dies ist jedoch in den meisten Fällen nicht mit der Natur der Katze vereinbar. Mit einem Katzengeschirr kannst du deine Katze auch an der Leine ausführen. Vorschriften für Katzen während der Brut und Setzzeit analog zu Hunden gibt es jedoch nicht (6).

Wenn du ein Nest entdeckt hast und dieses effektiv vor Katzen oder anderen kleinen Räubern wie dem Marder schützen möchtest, kannst du einen sogenannten Baumschutzgürtel anbringen. Der verhindert, dass Katzen den Baum erklimmen können. Nester am Boden oder in Hecken sind schwerer zu schützen. Hier kann man sich mit Düften wie der „Verpiss-Dich-Pflanze“ behelfen (7).

Was passiert, wenn man gegen die Vorschriften zur Brut und Setzzeit verstößt?

Verstößt du gegen die Regelungen, gilt dies als Ordnungswidrigkeit und kann entsprechend mit einem Bußgeld geahndet werden. Wie hoch die Geldstrafe sein kann, hängt vom Bundesland ab. Beträge bis zu 50 000 € sind möglich, üblicherweise fallen die Beträge jedoch deutlich geringer aus und liegen im zwei- bis dreistelligen Bereich (8).

Auf wildernde Hunde oder Streuner außerhalb von Privatgrundstücken, die während der Brut und Setzzeit nicht im Einwirkungsbereich des Besitzers sind, darf vom Jagdschutzberechtigten des Reviers geschossen werden.

Fazit

Wer weiterhin die Artenvielfalt der Natur genießen möchte und morgens gerne von zwitschernden Vögeln geweckt wird, trägt auch Verantwortung, seinen Teil zum Schutz der Wildtiere zu leisten. Die Vorschriften zur Brut und Setzzeit sind wichtig, um diese nicht beim Brüten und während der Aufzucht ihrer Jungtiere zu stören.

In der Zeit vom 01. März bis zum 15. Juli solltest du deinen Hund daher in der Natur anleinen und immer auf den Wegen bleiben. So handelst du im Sinne der Wildtiere, auch wenn es in deiner Region vielleicht keine Vorschrift dazu gibt. Wenn du deinen Vierbeiner dennoch frei laufen lassen möchtest, erkundige dich vorher, ob das in deiner Region erlaubt ist.

Bildquelle: David Clode / 123rf

Einzelnachweise (8)

1. rnd.de: Leinenpflicht für Hunde: Wo gilt sie und welche Regelungen gibt es?, 02.04.2020
Quelle

2. deine-tierwelt.de: Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit: Darum ist sie so wichtig, Hanna Hindemith, 21.03.18
Quelle

3. gesetze-im-internet.de: Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG) § 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
Quelle

4. celler-presse.de: Junge Wildtiere effektiv schützen – Feldarbeiten während der Brut- und Setzzeit erfordern umsichtiges Arbeiten, 20.04.20
Quelle

5. anwalt24.de: Jagd- und Schonzeiten
Quelle

6. einfachtierisch.de: Freigang für Katzen in der Brutzeit: So schützen Sie Jungvögel
Quelle

7. Wildvogelhilfe.org: Hauskatzen im Garten
Quelle

8. bussgeldkatalog.org: Leinenzwang – Gibt es eine Leinenpflicht für Hunde? , 22.04.21
Quelle

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Leinenpflicht für Hunde: Wo gilt sie und welche Regelungen gibt es?
rnd.de: Leinenpflicht für Hunde: Wo gilt sie und welche Regelungen gibt es?, 02.04.2020
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Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit: Darum ist sie so wichtig
deine-tierwelt.de: Leinenpflicht in der Brut- und Setzzeit: Darum ist sie so wichtig, Hanna Hindemith, 21.03.18
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Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG) § 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
gesetze-im-internet.de: Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege (Bundesnaturschutzgesetz - BNatSchG) § 39 Allgemeiner Schutz wild lebender Tiere und Pflanzen; Ermächtigung zum Erlass von Rechtsverordnungen
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Junge Wildtiere effektiv schützen – Feldarbeiten während der Brut- und Setzzeit erfordern umsichtiges Arbeiten
celler-presse.de: Junge Wildtiere effektiv schützen – Feldarbeiten während der Brut- und Setzzeit erfordern umsichtiges Arbeiten, 20.04.20
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Jagd- und Schonzeiten
anwalt24.de: Jagd- und Schonzeiten
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Freigang für Katzen in der Brutzeit: So schützen Sie Jungvögel
einfachtierisch.de: Freigang für Katzen in der Brutzeit: So schützen Sie Jungvögel
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Hauskatzen im Garten
Wildvogelhilfe.org: Hauskatzen im Garten
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Leinenzwang – Gibt es eine Leinenpflicht für Hunde?
bussgeldkatalog.org: Leinenzwang – Gibt es eine Leinenpflicht für Hunde? , 22.04.21
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